Sehschwäche: Ein wenig bekannter Mechanismus im Zentrum der Netzhaut, das TLR2-Gen

Die altersbedingte Verschlechterung des Sehvermögens ist nicht immer nur eine Frage der Abnutzung der Augen. Sie kann durch die Aktivierung eines bestimmten Rezeptors, des TLR2, im Zentrum der Netzhaut begünstigt werden.

Dieses Phänomen ist in der Öffentlichkeit noch wenig bekannt. Es könnte jedoch bereits bei vielen Menschen aktiv sein, ohne dass sie sich dessen bewusst sind. Forscher des Trinity College in Dublin haben gezeigt, dass TLR2 eine wichtige Rolle bei bestimmten Entzündungsmechanismen spielt, die an der Degeneration des Auges beteiligt sind.

Sehstörungen bei Senioren sind also nicht mehr nur eine unvermeidliche Folge des Alterns. Sie scheinen auch die Folge einer molekularen Störung zu sein, die teilweise moduliert werden könnte. Ein besseres Verständnis von TLR2 würde es daher ermöglichen, früher einzugreifen, um bestimmte Sehstörungen zu begrenzen, bevor sie irreversibel werden.

Warum wird der TLR2-Rezeptor für den altersbedingten Sehverlust verantwortlich gemacht?

Im Jahr 2020 haben Forschungsteams in Dublin das Vorhandensein des Toll-Like-Rezeptors 2 (TLR2) in den Zellen der Netzhaut nachgewiesen. Im Normalzustand ist dieser Rezeptor nur wenig aktiv. Wenn er jedoch oxidativem Stress ausgesetzt ist, kann er eine starke Entzündungsreaktion auslösen.

Diese wiederholte Aktivierung kann zu einer Verschlechterung des Sehvermögens beitragen. Den Forschern zufolge ist TLR2 somit an mehreren altersbedingten Sehstörungen beteiligt, von denen eine große Mehrheit der über 50-Jährigen betroffen ist. Aus diesem Grund ist es zu einem vorrangigen Forschungsziel geworden, um bestimmte Netzhautdegenerationen besser zu verstehen und dann zu verlangsamen.

Sehkraftverlust ab 50: ein besorgniserregendes Phänomen?

Laut einem Bericht der DREES geben fast 96 % der Franzosen über 50 Jahre an, unter Sehproblemen zu leiden. Es handelt sich also um ein echtes Problem für die öffentliche Gesundheit.

Im Alltag führt dieser Sehverlust zu mehreren Schwierigkeiten. Beispielsweise wird das Lesen anstrengender, das Autofahren unangenehmer und bestimmte Details sind schwerer zu erkennen.​

Der Bericht enthielt jedoch keine klaren Vorschläge, wie dieser Sehverlust verlangsamt werden könnte. Heute bieten die Daten zu TLR2 einen neuen Ansatzpunkt für das Verständnis und ebnen den Weg für gezieltere Strategien zum Schutz der Netzhaut.

Was sind die Symptome einer TLR2-bedingten Sehschwäche?

Im Alltag können bestimmte Anzeichen auf eine fortschreitende Störung der Netzhaut hinweisen. Diese können insbesondere mit der Aktivierung von Entzündungswegen wie dem TLR2 zusammenhängen.

Beispielsweise lassen sich folgende Symptome beobachten:

  • Schwierigkeiten beim Lesen aus der Nähe oder beim Erkennen kleiner Buchstaben in einem Buch, auf einem Etikett oder auf einem Telefonbildschirm.
  • Schwierigkeiten beim Sortieren von Kleingeld, beim Umgang mit kleinen Gegenständen oder beim Erkennen feiner Details.
  • Unbehagen oder Blendung beim Fahren in der Nacht, mit dem Eindruck einer weniger scharfen Sicht.
  • Ein Gefühl von unscharfem Sehen, verminderter Kontrastwahrnehmung oder Schwierigkeiten, Gesichter aus der Entfernung zu erkennen.

Oft werden diese Anzeichen einfach auf die natürliche Alterung der Augen zurückgeführt. Sie können jedoch auch auf eine Verschlechterung des Sehvermögens aufgrund von oxidativen und entzündlichen Prozessen in der Netzhaut hindeuten. In diesem Fall wird eine umfassende augenärztliche Untersuchung dringend empfohlen.

Warum wird TLR2 als „Zeitbombe” in unseren Augen bezeichnet?

TLR-Rezeptoren sind Teil des angeborenen Immunsystems. Sie ermöglichen es dem Körper, bestimmte Infektionserreger schnell zu erkennen. Der Mensch verfügt über mehrere Arten von TLR, darunter TLR2.

Dieser Rezeptor ist auch im Augengewebe vorhanden, insbesondere in der Netzhaut. Wenn er aktiviert wird, kann er erhebliche Entzündungskaskaden auslösen. Studien zeigen, dass diese Aktivierung das Gleichgewicht der lokalen Immunzellen stört, die Durchblutung der Netzhaut beeinträchtigt und die Blut-Augen-Schranke schwächt.

Diese Barriere spielt jedoch eine zentrale Rolle beim Schutz des Auges. Wenn sie beeinträchtigt ist, wird die Netzhautumgebung anfälliger. Dadurch entsteht ein günstiger Nährboden für Augendegeneration und einen fortschreitenden Verlust der Sehkraft.

Ist oxidativer Stress ein Schlüsselelement für den Sehverlust?

TLR2 wird größtenteils durch oxidativen Stress aktiviert. Dieser Begriff bezeichnet einen Überschuss an freien Radikalen, die die Zellen der Netzhaut angreifen.

Mehrere Faktoren des Lebensstils verstärken diesen Stress. Dies ist beispielsweise der Fall bei wiederholter Exposition gegenüber intensivem Licht, blauem Licht von Bildschirmen, Tabak oder Umweltverschmutzung. Mit der Zeit beschleunigen diese Angriffe die Alterung des Augengewebes.

Forscher haben gezeigt, dass eine pro-oxidative Umgebung die Aktivierung von TLR2, Netzhautentzündungen und die Degeneration der Photorezeptoren begünstigt. Dieses Trio trägt direkt zur Verschlechterung des Sehvermögens bei. Umgekehrt kann die Begrenzung von oxidativem Stress durch eine gesunde Lebensweise, eine antioxidantienreiche Ernährung und gegebenenfalls gezielte Nahrungsergänzungsmittel zum Schutz der empfindlichen Augenzellen beitragen. Dadurch kann auch die Sehfunktion im Laufe der Jahre besser erhalten bleiben.

Welche neuen Ansätze gibt es, um den Sehverlust zu verlangsamen?

Dank dieser Entdeckungen ist es nun möglich, gezieltere Ansätze zum Schutz der Netzhaut in Betracht zu ziehen. Durch die gezielte Beeinflussung von TLR2 oder die Begrenzung seiner Aktivierung durch die Reduzierung von oxidativem Stress soll der altersbedingte Sehverlust verzögert werden.

Gleichzeitig wecken bestimmte Polyphenolfamilien, wie die in roten Früchten enthaltenen Anthocyanoside, zunehmendes wissenschaftliches Interesse. Diese Verbindungen könnten nämlich die Mikrozirkulation im Auge unterstützen und die antioxidativen Abwehrkräfte des Auges stärken. Sie scheinen besonders vielversprechend für die Vorbeugung der Augenalterung durch gezielte Nahrungsergänzungsmittel und der mit dem Sehverlust verbundenen Störungen zu sein.

Fazit: Frühzeitig handeln, um das Sehvermögen zu schützen

Der Nachweis der Rolle von TLR2 bei der Augendegeneration ist ein wichtiger Schritt zum Verständnis des altersbedingten Sehverlusts. Oxidativer Stress scheint ein wichtiger Auslöser zu sein, aber es gibt noch Handlungsmöglichkeiten.

Durch geeignete Schutzmaßnahmen und die Erforschung gezielter natürlicher Lösungen lässt sich die Gesundheit der Netzhaut leichter erhalten. So kann die Sehqualität langfristig besser erhalten werden. In diesem Zusammenhang finden Anthocyanside, antioxidative Pigmente, die insbesondere in Heidelbeeren vorkommen, aufgrund ihrer potenziell positiven Wirkung auf die Mikrozirkulation im Auge und ihren Schutz vor oxidativem Stress Beachtung, was sie zu interessanten Verbündeten in der Prävention von Sehkraftverlust macht.​

  1. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7179253/
  2. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0014483521002827
  3. https://iovs.arvojournals.org/article.aspx?articleid=2691331
  4. https://phytocea.com/blogs/questions-de-sante/les-myrtilles-et-la-sante-oculaire-le-super-fruit-a-ne-pas-negliger
  5. https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0181551208747430

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