Tiergestützte Therapie: Der Einsatz von Pferden bei der Behandlung von PTBS

Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine komplexe psychische Erkrankung. Sie tritt meist nach dem Erleben eines traumatischen Ereignisses auf. Zu den auffälligsten Symptomen zählen Hypervigilanz, Flashbacks und emotionale Störungen. So kann die PTBS die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Konventionelle Therapien wie kognitive und verhaltenstherapeutische Ansätze bilden nach wie vor die Grundlage der Behandlung. Diese Behandlungsmethoden reichen jedoch nicht immer aus, um den Bedürfnissen jedes einzelnen Patienten gerecht zu werden. Aus diesem Grund erweist sich die tiergestützte Therapie, insbesondere die Begleitung durch Pferde, als interessanter ergänzender Ansatz. In der Praxis ersetzt sie die Standardbehandlungen nicht, sondern ergänzt diese.PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung).

Aufbauend auf der Mensch-Tier-Beziehung zielt diese Therapie darauf ab, die emotionale Regulierung, das Selbstvertrauen und das allgemeine Wohlbefinden zu stärken. Das Pferd, ein soziales und sensibles Tier, nimmt menschliche Gefühlszustände feinfühlig wahr und reagiert nonverbal darauf. Daher nimmt es bei dieser Art der Begleitung einen besonderen Stellenwert ein.

Was ist eine PTBS?

Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), auch als PTSD (Post-Traumatic Stress Disorder) bezeichnet, tritt nach einer direkten oder indirekten Traumatisierung auf. Konkret kann es sich dabei um eine Todesbedrohung, sexuelle oder körperliche Gewalt, einen schweren Unfall oder einen Übergriff handeln.

Nach aktuellen Klassifikationen umfassen die Symptome:

  • aufdringliche Wiedererlebnisse (Erinnerungen, Albträume, Flashbacks);
  • Vermeidungsverhalten;
  • kognitive und emotionale Veränderungen;
  • Störungen der Wachsamkeit und Reaktionsfähigkeit (Reizbarkeit, Schreckhaftigkeit, Hypervigilanz).

Historisch gesehen werden PTSD-ähnliche Erscheinungsformen bereits seit der Antike beschrieben, insbesondere bei Soldaten, die aus dem Krieg zurückkehrten. Später, im 19. Jahrhundert, sprachen Ärzte wie Oppenheim von einer „traumatischen Neurose“. In der Folge ermöglichten die großen Kriege des 20. Jahrhunderts eine genauere Beschreibung dieser Störungen bei Kriegsteilnehmern.

Heute stützt sich die Diagnose zum einen auf die Dauer (Symptome, die seit mehr als einem Monat bestehen) und zum anderen auf die funktionellen Auswirkungen. Eine PTBS muss nämlich das soziale, familiäre oder berufliche Leben beeinträchtigen, damit die Diagnose gestellt wird. Darüber hinaus erhöhen mehrere Faktoren das Risiko: frühe Traumata, psychische Vorerkrankungen, geringe soziale Unterstützung.

Umgekehrt können eine frühzeitige Behandlung, beispielsweise durch die CUMP, und bestimmte spezifische Therapien wie EMDR oder Expositionstherapien die Prognose deutlich verbessern. Daher bleibt die fachärztliche Betreuung die Grundlage der Behandlung, und die Pferdetherapie ergänzt diese, ersetzt sie jedoch keinesfalls.

Was versteht man unter Tiergestützter Therapie?

Die tiergestützte Therapie, auch tiergestützte Intervention genannt, umfasst therapeutische, pädagogische oder soziale Praktiken, bei denen Tiere zum Einsatz kommen. Das Prinzip ist einfach: Die Beziehung zum Tier erleichtert die Einbindung in die Behandlung, das Lernen oder die soziale Rehabilitation.

Konkret werden die Tiere für diese Rolle ausgewählt und vorbereitet. Die Sitzungen sind strukturiert und verfolgen präzise Ziele. Sie beinhalten stets ein Trio: den Begünstigten, das Tier und eine ausgebildete Fachkraft. Somit beschränkt sich die tiergestützte Therapie nicht darauf, „ein Tier zu streicheln“, sondern basiert auf einem klaren Rahmen.

Historisch gesehen wurden Tiere schon sehr früh im Pflegekontext eingesetzt. So wird beispielsweise berichtet, dass Vögel bei Patienten eingesetzt wurden, um deren psychische Genesung zu unterstützen. Später, im 19. Jahrhundert, wurden Tiere in bestimmten psychiatrischen Einrichtungen eingeführt. Nach dem Ersten Weltkrieg begleiteten sie manchmal traumatisierte Soldaten.

In den 1950er Jahren formalisierte Boris Levinson die „tiergestützte Therapie“. Er beschrieb Patienten, die sich bis dahin klassischen Ansätzen verschlossen hatten und sich in Gegenwart eines Hundes öffneten. Seitdem hat sich die tiergestützte Intervention etabliert. Sie umfasst heute Therapie, Pädagogik, Freizeitaktivitäten oder tiergestütztes Coaching.

Die Ziele können kognitiver Natur sein (Aufmerksamkeit, Gedächtnis), emotionaler Art (Angst, Selbstwertgefühl) oder sozialer Art (Kommunikation, Beziehung zu anderen). Die Maßnahmen zielen beispielsweise darauf ab, Ängste abzubauen, die Kommunikation zu verbessern, das Selbstvertrauen zu stärken oder die Motivation zu fördern –Verbesserungen in den kognitiven, emotionalen und sozialen Bereichen.

In diesem Zusammenhang nimmt das Pferd einen besonderen Platz ein. Vom Arbeitstier hat es sich in der Reittherapie zu einem Therapiepartner entwickelt. Seine Sensibilität für die Umgebung und für menschliche Körpersignale macht es zu einem wertvollen „Spiegel“. So ermöglicht es,Verhaltensänderungen zu beobachten und zu fördern, insbesondere bei PTBS.

Wie lassen sich Hippotherapie und Reittherapie bei der Behandlung von PTBS einsetzen?

Das Pferd spielt aufgrund seiner emotionalen Sensibilität eine einzigartige Rolle in tiergestützten Therapien. In der Praxis kommen bei PTBS zwei Hauptformen der pferdegestützten Intervention zum Einsatz: die Hippotherapie und die Equitherapie.

In der Hippotherapie fungiert das Pferd vor allem auf körperlicher Ebene als „Co-Therapeut“. Seine sanfte, rhythmische Bewegung in drei Dimensionen fördert die Körperhaltung, die Koordination und das Gleichgewicht. Dies kann auch bestimmte chronische Schmerzen lindern, die oft mit Traumata oder einem anhaltenden Spannungszustand zusammenhängen. So stärken diese Reize das Körperbewusstsein, was dazu beiträgt,Ängste abzubauen und ein Gefühl der Sicherheit wiederherzustellen.

Die Reittherapie hingegen zielt eher auf den psychischen Bereich ab. Das Pferd wirkt wie ein emotionaler Spiegel. Es reagiert auf Anspannungen, Zögern oder die Beruhigung der Person, die es begleitet. Dies ermöglicht es, emotionale Regulierung, Selbstbehauptung und die Beziehung zu anderen auf konkrete Weise anzugehen.

Die angebotenen Übungen (Pferdepflege, Führen an der Leine, freies Führen, in bestimmten Fällen Reiten) erfordern Aufmerksamkeit, Selbstwahrnehmung und aktives Engagement. Dadurch können sie das Selbstwertgefühl, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die Resilienz gegenüber Traumata fördern.

Zudem bietet der natürliche Rahmen der Sitzungen (Reithalle, Reitplatz, im Freien) eine reichhaltige sensorische Stimulation. Der Geruch, die Berührung, die Geräusche der Natur und die Bewegung des Pferdes tragen zur Vertiefung der Entspannung bei. So wird die Zeit im Kontakt mit dem Pferd zu einem Moment der Verankerung und der Erholung.

Schließlich schafft das Dreigespann aus Patient, Therapeut und Pferd eine einzigartige therapeutische Allianz. Das Pferd übernimmt dabei eine vermittelnde Rolle. Es erleichtert den Zugang für Menschen, die dem klassischen medizinischen Umfeld manchmal misstrauisch gegenüberstehen. Zudem ermöglicht es, schwierige Emotionen anzusprechen, ohne sich ausschließlich auf das gesprochene Wort zu verlassen.

Wohlbefinden und Bedürfnisse der Mediationspferde

Das Wohlbefinden des Mediationspferdes ist ein zentraler Aspekt. Es handelt sich dabei um eine ethische Anforderung, aber auch um eine Voraussetzung dafür, dass die Sitzungen wirksam und sicher bleiben. Das Pferd ist nach wie vor ein großer, sozialer, beweglicher und sensibler Pflanzenfresser. Daher müssen seine spezifischen Bedürfnisse respektiert werden.

Zu den Grundbedürfnissen gehören:

  • regelmäßiger Kontakt zu Artgenossen;
  • ausreichende Bewegungsfreiheit (Paddock, Weide, tägliche Ausläufe);
  • Zugang zu hochwertigem Raufutter, etwa 1,5 bis 2 % des Lebendgewichts an Trockenmasse pro Tag;
  • sauberes Wasser, das nach Belieben zur Verfügung steht.

Eine angepasste, ballaststoffreiche Ernährung ermöglicht langes Kauen. Dies trägt zur Vorbeugung von Stereotypien, Magengeschwüren und anderen Verdauungsstörungen bei.

Die Unterbringung muss einen sicheren Ruhebereich, ungehinderte Bewegungsfreiheit und soziale Interaktionen bieten. Regelmäßiger Auslauf, wenn möglich in der Gruppe, verringert das Risiko von Stress oder chronischer Hypervigilanz beim Pferd.

Erziehungs- und Arbeitsmethoden sollten vorzugsweise auf den Prinzipien des Lernens basieren. Der Einsatz positiver Verstärkung fördert die Motivation und die Kooperationsbereitschaft. Zwangstechniken sind hingegen zu vermeiden. Die Gewöhnung an Ausrüstung, unterschiedliche Umgebungen und verschiedene Nutzer muss schrittweise erfolgen. Dies gewährleistet sichere und bedarfsgerechte Trainingseinheiten.

Schließlich ist eine regelmäßige Überwachung des körperlichen und emotionalen Zustands des Pferdes unerlässlich. Instrumente wie Bewertungsbögen zum Wohlbefinden oder Protokolle wie „Cheval Bien-Être“ helfen dabei, das Verhalten des Pferdes während und außerhalb der Sitzungen zu beobachten. Sie ermöglichen es zudem, die Arbeitsbelastung bei Bedarf anzupassen.

Die Einhaltung dieser Grundsätze gewährleistet ein ausgeglichenes Pferd. Außerdem werden dadurch Menschen, die an PTBS leiden, angemessenere, sicherere und wirksamere Interaktionen geboten. Letztendlich beruht die Qualität der Pferdetherapie ebenso sehr auf dem therapeutischen Rahmen wie auf dem Respekt gegenüber dem Therapiepferd.

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