Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme: Bei welchen Symptomen sollte man seine Schilddrüse untersuchen lassen?

Verfasst und medizinisch geprüft von Arnaud, Doktor der Pharmazie und Inhaber der Apotheke „Soin et Nature“.
Die Schilddrüse ist eine kleine Drüse, die sich am Halsansatz befindet. Sie produziert Hormone, die den Stoffwechsel des gesamten Organismus regulieren. Wenn sie unterfunktioniert, gibt es zahlreiche, aber wenig spezifische Anzeichen: Müdigkeit, Kälteempfindlichkeit, Gewichtszunahme, Verstopfung, brüchiges Haar. Bei Frauen können bestimmte Symptome im Zusammenhang mit der Schilddrüse unbemerkt bleiben oder mit anderen Erkrankungen verwechselt werden. Man führt sie daher leicht auf Stress, den Schulanfang oder die Wechseljahre zurück. In diesem Artikel erklärt Ihnen Arnaud, ein staatlich geprüfter Apotheker, welche Symptome Sie alarmieren sollten. Anschließend erläutert er ausführlich, welche Blutuntersuchungen Sie anfordern sollten, wie man die Ergebnisse interpretiert und was natürliche Heilmittel leisten können – oder auch nicht.

Wozu dient die Schilddrüse und was passiert, wenn sie ihre Funktion verlangsamt?

Die Schilddrüse befindet sich am Halsansatz, vor der Luftröhre. Sie funktioniert wie ein Thermostat. Konkret nimmt sie das über die Nahrung aufgenommene Jod auf und nutzt es zur Produktion von zwei Hormonen: T4 und T3. Diese zirkulieren im gesamten Körper. Sie bestimmen, wie schnell jede Zelle Energie verbraucht.

Die Hypophyse, eine Drüse im Gehirn, steuert diese Produktion. Sie schüttet das TSH aus, das Hormon, das die Schilddrüse steuert. Das System funktioniert als Regelkreis: Wenn die Schilddrüse nicht genug produziert, erhöht die Hypophyse den TSH-Spiegel, um sie anzuregen. Deshalb ist die Bestimmung des TSH-Spiegels so hilfreich. Ein erhöhter TSH-Spiegel zeigt nämlich an, dass die Hypophyse zu stark ansetzt und die Schilddrüse daher Mühe hat, mitzuhalten.

Man spricht von einer Schilddrüsenunterfunktion, wenn diese Produktion unzureichend wird. Die Verlangsamung setzt sich allmählich über mehrere Monate hinweg ein. Sie bleibt daher oft unbemerkt: Man gewöhnt sich an die eigene Müdigkeit, bevor man sich darüber Sorgen macht.

Welche Schilddrüsensymptome sollten bei Frauen alarmieren?

Die Krankenkasse beschreibt sehr unterschiedliche Anzeichen. Diese Vielfalt erklärt übrigens auch die Schwierigkeit bei der Erkennung:

  • Körperliche und geistige Müdigkeit: Schläfrigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, nachlassendes Gedächtnis. Vor allem handelt es sich um eine Müdigkeit, die sich durch Schlaf nicht beheben lässt.
  • Kälteempfindlichkeit: Man friert, während die Menschen in der Umgebung keine Kälte empfinden. Dies ist das am häufigsten übersehene Anzeichen und eines der aussagekräftigsten.
  • Verlangsamte Verdauung: neu auftretende Verstopfung ohne Änderung der Ernährungsgewohnheiten.
  • Leichte Gewichtszunahme, manchmal trotz nachlassendem Appetit.
  • Haut, Haare und Nägel: trockene und brüchige Haare, spröde Nägel, blasse und trockene Haut.
  • Zyklusstörungen: unregelmäßige Regelblutungen, Muskelkrämpfe.
  • Verlangsamte Herzfrequenz, geschwollene Augenlider, heisere Stimme bei chronischen Formen.

In der Praxis ist nicht die Anzahl der Symptome das aussagekräftigste Kriterium, sondern deren Dauer. Eine Ermüdung nach den Sommerferien bessert sich innerhalb von zwei bis drei Wochen, wenn man wieder durchschläft und regelmäßige Tagesabläufe einhält. Eine Ermüdung, die hingegen nicht nachlässt, sollte ärztlich abgeklärt werden, insbesondere wenn zwei oder drei weitere Anzeichen hinzukommen.

In der Apotheke erleben wir oft, dass Frauen diese Anzeichen monatelang auf andere Ursachen zurückführen. Sie denken an psychische Belastung, den Wiedereinstieg in den Beruf oder die Perimenopause. Die Symptome überschneiden sich in der Tat weitgehend. Die Diagnose wird daher oft erst nach einer Blutuntersuchung gestellt, die aus einem anderen Grund durchgeführt wurde.

Wie lässt sich feststellen, ob die Schilddrüse die Ursache ist: Welche Blutuntersuchung sollte man verlangen?

Laut der Krankenkasse verschreibt der Arzt zunächst eine TSH-Bestimmung. Wenn das Ergebnis auffällig ist, misst das Labor anschließend das freie T4 (T4F). Die gute Nachricht: Dazu wird dieselbe Blutprobe verwendet, ohne dass ein weiterer Einstich erforderlich ist. Erst die Kombination beider Werte ermöglicht eine endgültige Diagnose.

Die Haute Autorité de Santé (HAS) macht eine wichtige Klarstellung. Sie empfiehlt keine Routineuntersuchung bei Personen ohne Symptome. Mit anderen Worten: Erst die Anzeichen rechtfertigen die Untersuchung. Daher ist es wichtig, diese vor dem Arztbesuch zu erkennen.

Wie liest man einen Schilddrüsen-Erstbefund?
TSH Freies T4 Auswertung Übliche Vorgehensweise
Normal Nicht bestimmt Normale Schilddrüsenfunktion Nach einer anderen Ursache für die Symptome suchen
Erhöht ( > 4 mIU/L) Niedrig Nachgewiesene Schilddrüsenunterfunktion Behandlung mit dem Arzt besprechen
Erhöht (zwischen 4 und 10 mIU/L) Normal Subklinische Hypothyreose Fernüberwachung vor einer Entscheidung
Sehr hoch (> 10 mIE/l, bestätigt) Normal oder niedrig Situation muss erneut besprochen werden Behandlung je nach Symptomen und kardialem Risiko in Betracht ziehen

Die HAS betont zudem einen Grundsatz, der vieles verändert. Die Entscheidung für eine Behandlung darf nicht allein auf der Grundlage eines Wertes getroffen werden. Der Arzt und die Patientin müssen dies zunächst besprechen. Denn der als normal angesehene TSH-Wert variiert von Person zu Person. Eine Patientin kann sich daher unwohl fühlen, obwohl ihr TSH-Wert innerhalb der Referenzwerte liegt. Wenn Ihre Symptome trotz eines als normal bewerteten Befunds anhalten, sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber.

Warum werden Schilddrüsenprobleme und die Wechseljahre nach dem 40. Lebensjahr so oft verwechselt?

Beide Zustände treten oft im gleichen Alter auf. Zudem überschneiden sie sich so stark, dass das eine das andere überdeckt. Nehmen wir eine 45-jährige Frau als Beispiel. Sie nimmt zu, schläft schlecht, verliert Haare und hat einen unregelmäßigen Zyklus. Es gibt zwei Erklärungen dafür, die beide gleichermaßen plausibel sind. Dennoch lässt sich mit bloßem Auge keine eindeutige Entscheidung treffen.

Die entscheidende Überlegung lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Diese Anzeichen der Perimenopause zuzuschreiben, bleibt eine Hypothese, keine Diagnose. Solange der TSH-Wert nicht bestimmt wurde, bleibt die Schilddrüsenhypothese offen.

Bestimmte Anzeichen deuten jedoch in eine bestimmte Richtung. Kälteempfindlichkeit und seit kurzem auftretende Verstopfung weisen auf die Schilddrüse hin. Umgekehrt deuten Hitzewallungen auf die Perimenopause hin.

Was können natürliche Mittel für die Schilddrüse bewirken?

Die Standardtherapie bei einer nachgewiesenen Schilddrüsenunterfunktion ist Levothyroxin. Dabei handelt es sich um ein synthetisches Schilddrüsenhormon. Der Arzt verschreibt es und passt die Dosierung anhand von Blutuntersuchungen an. Natürliche Ansätze können diese Behandlung daher keinesfalls ersetzen.

Allerdings spielen zwei Mikronährstoffe eine nachgewiesene Rolle.Jod bildet die Grundlage für die Schilddrüsenhormone: Ohne Jod kann die Drüse diese nicht herstellen. Selen wiederum ist an der Umwandlung von T4 in T3, die aktive Form, beteiligt. Europa erkennt diese beiden Angaben an.

Dennoch ist Vorsicht geboten, und das ist die Kernbotschaft dieses Abschnitts. Nehmen Sie niemals Jod allein ein, wenn eine Schilddrüsenerkrankung bekannt ist oder vermutet wird. Ein Jodüberschuss kann nämlich eine autoimmune Schilddrüsenentzündung aus dem Gleichgewicht bringen oder eine Schilddrüsenüberfunktion verschlimmern. In der Praxis reicht die Ernährung für die meisten Menschen aus: Fisch, Meeresfrüchte, Milchprodukte, jodiertes Salz.

Weitere Informationen zur Phytotherapie und Homöopathie bei Schilddrüsenerkrankungen finden Sie in unserem Artikel „Schilddrüse und Naturheilkunde: natürliche Behandlungsmethoden“.

Unser Apotheker Arnaud empfiehlt insbesondere Selenpräparate in der Oligotherapie. Sie liefern eine dosierte Erhaltungsdosis. Sie dienen daher nicht dazu, einen Mangel zu beheben – dies erfordert eine Blutuntersuchung und ärztliche Beratung.

Um die gesamte Auswahl zu sehen, schauen Sie sich unser von unseren Apothekern ausgewähltes Oligotherapie-Sortiment in unserer Online-Apotheke an.

Welche Maßnahmen sollten Sie im Alltag ergreifen, während Sie auf die Untersuchungsergebnisse warten?

Diese Ratschläge zielen nicht darauf ab, eine Schilddrüsenerkrankung zu behandeln. Sie dienen dazu, die Ursachen einzugrenzen. Wenn die Müdigkeit durch diese Maßnahmen nachlässt, war sie wahrscheinlich nicht auf eine Schilddrüsenerkrankung zurückzuführen. Bleibt sie hingegen bestehen, ist dies ein deutlich stärkeres Argument für einen Arztbesuch.

  • Den Schlafrhythmus regulieren: Zwei bis drei Wochen lang zur gleichen Zeit ins Bett gehen und aufstehen, auch am Wochenende.
  • Morgens Tageslicht tanken: Zehn Minuten im Freien in der Stunde nach dem Aufwachen. Das hilft, die innere Uhr wieder einzustellen.
  • Den Blutzuckerspiegel stabilisieren: ein proteinreiches Frühstück. Es begrenzt den Müdigkeitsschub am Vormittag, der oft mit einer Grundmüdigkeit verwechselt wird.
  • Symptome notieren: Führen Sie eine datierte Liste der empfundenen Anzeichen. Dieses Dokument sorgt für einen effizienten Arztbesuch.

Wenn Müdigkeit das Hauptsymptom ist, kann unsere Auswahl an Nahrungsergänzungsmitteln für mehr Schwung, Vitalität und gegen Müdigkeit diese Maßnahmen unterstützen. Sie ersetzt jedoch keinesfalls eine Blutuntersuchung, wenn die Symptome anhalten.

Ein praktischer Hinweis ist wichtig, wenn Sie bereits Levothyroxin einnehmen. Dieses Medikament wird morgens auf nüchternen Magen mit einem Glas Wasser eingenommen. In der Packungsbeilage wird empfohlen, einen Abstand von mehr als zwei Stunden zu Eisen- oder Kalziumsalzen, Magenschutzmitteln, Harzen und Adsorptionsmitteln einzuhalten. Pflanzliche Aktivkohle gehört dazu. Viele unerklärliche Ungleichgewichte sind tatsächlich auf ein Nahrungsergänzungsmittel zurückzuführen, das gleichzeitig mit der Tablette eingenommen wurde.

Wann sollten Sie einen Arzt oder Apotheker konsultieren?

In bestimmten Situationen sollte man nicht warten. Dies gilt bei einer Schwellung am Halsansatz, Schluckbeschwerden, einer deutlich verlangsamten Herzfrequenz oder einer Müdigkeit, die den Alltag beeinträchtigt. Zudem erfordert eine bestehende Schwangerschaft oder der Wunsch nach einer Schwangerschaft besondere Vorsicht. Die Schilddrüsenfunktion beeinflusst nämlich die Entwicklung des Fötus.

Zu beachtende Vorsichtsmaßnahmen:

  • Brechen Sie eine Behandlung mit Levothyroxin niemals eigenmächtig ab und ändern Sie die Dosierung nicht, auch wenn sich die Symptome bessern.
  • Nehmen Sie bei bekannter oder vermuteter Schilddrüsenerkrankung kein Jod ohne ärztlichen Rat ein.
  • Teilen Sie Ihrem Apotheker alle gleichzeitig eingenommenen Nahrungsergänzungsmittel mit. Eisen, Kalzium, Magnesium und Adsorptionsmittel verändern die Aufnahme des Medikaments.
  • Ein normales Untersuchungsergebnis ist kein Hinderungsgrund, anhaltende Symptome erneut anzusprechen. Die HAS weist darauf hin, dass die Entscheidung im Dialog getroffen wird und nicht aufgrund einer einzelnen Zahl.

Quellen

Dieser Artikel stützt sich auf die folgenden Empfehlungen und Referenzdokumente, die im August 2026 eingesehen wurden:

Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken. Er ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei anhaltenden Symptomen oder einer laufenden Behandlung sollten Sie den Rat Ihres Arztes oder Apothekers einholen.

Häufig gestellte Fragen zur Schilddrüsenuntersuchung

Muss man für eine TSH-Bestimmung nüchtern sein?

Nein, für die TSH-Bestimmung ist es nicht erforderlich, nüchtern zu sein. Wenn Sie bereits Levothyroxin einnehmen, lassen Sie die Blutabnahme am besten vor der morgendlichen Tablette durchführen. Halten Sie anschließend bei allen Kontrolluntersuchungen die gleichen Bedingungen ein, damit die Ergebnisse vergleichbar bleiben.

Reicht ein normaler TSH-Wert aus, um eine Schilddrüsenstörung auszuschließen?

In den allermeisten Fällen ja: Ein normaler TSH-Wert macht eine Schilddrüsenunterfunktion unwahrscheinlich. Die HAS weist jedoch darauf hin, dass der Normalbereich von Person zu Person variiert. Eine Patientin kann daher auch bei einem TSH-Wert innerhalb der Referenzwerte weiterhin Beschwerden haben. Wenn die Symptome anhalten, teilen Sie dies Ihrem Arzt mit.

Was ist eine subklinische Schilddrüsenunterfunktion?

Von einer subklinischen Hypothyreose spricht man, wenn der TSH-Wert ansteigt, während der Wert des freien T4 normal bleibt. Diese Situation führt nicht immer zu einer Behandlung. Die HAS empfiehlt zunächst, den TSH- und den T4-Wert nach einiger Zeit erneut zu überprüfen. Liegt der TSH-Wert bei zwei Messungen über 10 mIU/L, wird die Behandlung mit der Patientin besprochen.

Führt eine Schilddrüsenerkrankung wirklich zu Gewichtszunahme?

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann mit einer Gewichtszunahme einhergehen, die meist moderat ausfällt. Der Stoffwechsel verlangsamt sich und der Körper speichert Wasser. Eine erhebliche Gewichtszunahme lässt sich jedoch nicht allein dadurch erklären. Die Behandlung führt übrigens nicht zum Abnehmen: Sie stellt lediglich die normale Funktion wieder her.

Wann sollte man bei Zweifeln bezüglich der Schilddrüse einen Arzt oder Apotheker aufsuchen?

Suchen Sie einen Arzt auf, sobald eine Müdigkeit trotz ausreichendem Schlaf länger als drei Wochen anhält. Suchen Sie umso schneller einen Arzt auf, wenn zusätzlich Kälteempfindlichkeit, seit kurzem auftretende Verstopfung, Haarausfall oder eine unerklärliche Gewichtszunahme auftreten. Warten Sie nicht, wenn Sie eine Schwellung am Hals, Schluckbeschwerden oder einen deutlich verlangsamten Herzschlag bemerken. Zuvor kann Ihr Apotheker Ihre Symptome erfassen und Ihre Behandlungen überprüfen.

Ein Nahrungsergänzungsmittel ist kein Ersatz für eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise.

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