Die Gesundheitsvorsorge auf pflanzlicher Basis ist ein Ansatz, der immer mehr Patienten anspricht. Das endokrine System funktioniert jedoch nach dem Prinzip mikroskopisch kleiner Dosierungen, bei denen schon die geringste Abweichung das gesamte Gleichgewicht stören kann.Die therapeutische Anwendung von Heilpflanzen kann diesen inneren Mechanismus erheblich beeinträchtigen.
Die chemischen Botenstoffe unseres Körpers steuern lebenswichtige Funktionen: den Zuckerstoffwechsel, den Herzrhythmus, die Fortpflanzung und die Entwicklung des Fötus. Die unkontrollierte Zufuhr pflanzlicher Wirkstoffe birgt das Risiko schwerwiegender Störungen oder kritischer Therapieversagen. Wie lässt sich die Verwendung von Pflanzen mit der Hormonregulation vereinbaren, ohne die Gesundheit zu gefährden? Dieser Leitfaden gibt einen Überblick über die unbedingt zu beachtenden Vorsichtsmaßnahmen entsprechend Ihrem Profil.
Warum beeinträchtigt die Verwendung blutzuckersenkender Pflanzen die hormonelle Zuckersteuerung bei behandeltem Diabetes?
Die Blutzuckerkontrolle hängt von einem äußerst präzisen endokrinen Gleichgewicht ab. Auch wenn bestimmte Pflanzen echte metabolische Eigenschaften besitzen, birgt ihre Kombination mit allopathischen Behandlungen ein hohes Risiko für ein Ungleichgewicht.
Diabetes erklärt von der WHO
Diabetes ist eine chronische Erkrankung, die durch eine unzureichende Insulinproduktion oder eine ineffiziente Verwertung des Insulins durch den Körper gekennzeichnet ist. Dies führt zu einer Hyperglykämie. Ohne angemessene Behandlung verursacht dies schwere Schäden an Nerven und Blutgefäßen. Dies kann zu Erblindung, Nierenversagen, Herzinfarkten, Schlaganfällen oder der Amputation der unteren Gliedmaßen führen.
Daten der WHO zeigen, dass sich die Zahl der Diabetesfälle innerhalb weniger Jahrzehnte von 108 auf 422 Millionen vervierfacht hat, wobei der Anstieg in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen besonders schnell voranschreitet. Im Jahr 2019 forderte diese Erkrankung 2 Millionen Todesopfer.
Man unterscheidet mehrere Formen:
- Typ-1-Diabetes: Er ist durch einen absoluten Insulinmangel gekennzeichnet und erfordert tägliche Injektionen.
- Typ-2-Diabetes: Er verändert die Art und Weise, wie der Körper Glukose verwertet (Insulinresistenz), und steht in engem Zusammenhang mit Übergewicht und Bewegungsmangel.
- Schwangerschaftsdiabetes: Er tritt speziell während der Schwangerschaft auf und erhöht das Risiko für einen späteren Typ-2-Diabetes bei Mutter und Kind.
- Prädiabetes: Glukoseintoleranz und gestörter Nüchternblutzucker sind Frühstadien, die zu Typ-2-Diabetes führen können, wenn keine Änderungen der Lebensweise vorgenommen werden (ausgewogene Ernährung, körperliche Aktivität, Raucherentwöhnung).
Das Risiko von Unwohlsein und Hypoglykämie bei der Einnahme von Gymnema und Berberin
Bei stabilen Diabetikern wird empfohlen,blutzuckersenkende Pflanzen zu vermeiden, um die bestehende Behandlung nicht zu beeinträchtigen. Zu diesen gehört Gymnema (Gymnema sylvestre), das in Indien als „Zuckervernichter“ bezeichnet wird und für seine starken stoffwechselregulierenden Eigenschaften bekannt ist. Es wirkt, indem es die Zuckeraufnahme im Darm verringert und die Insulinausschüttung verbessert. Auf diese Weise beeinflusst es die hormonelle Regulierung des Appetits.
Berberin (in Berberis vulgaris enthalten) ist ein weiterer sehr wirksamer Wirkstoff. Es wird regelmäßig mit Metformin® verglichen, da es den Blutzuckerspiegel, das HbA1c und den Cholesterinspiegel senken kann.
Die Kombination von Gymnema oder Berberin mit oralen Antidiabetika oder Insulin führt jedoch zu einem gefährlichen kumulativen Effekt. Dies kann den Blutzuckerspiegel kritisch absinken lassen und somit eine schwere Hypoglykämie auslösen.
Wie stören Phytoöstrogene und Algen die Hormonregulation der Schilddrüse und hormonabhängige Erkrankungen?
Bestimmte Pflanzen ahmen die Wirkung unserer eigenen Hormonrezeptoren nach oder blockieren sie. Diese Wirkung ist keineswegs harmlos und in vielen klinischen Situationen ausdrücklich kontraindiziert.
Hormonabhängige Krebserkrankungen und Xenoöstrogene
Ein hormonabhängiger Krebs entsteht, wenn Hormone eine direkte Rolle bei der Vermehrung der Tumorzellen spielen. Betroffen sind vor allem Brust- und Prostatakrebs, deren Wachstum durch Sexualhormone stimuliert wird, die an spezifische Rezeptoren binden, die auf der Oberfläche der Zellen in abnormaler Menge vorhanden sind. Testosteron stimuliert die Mehrheit der Prostatakrebserkrankungen, während Östrogene 60 bis 70 % der Brustkrebserkrankungen beeinflussen.
Die moderne Umwelt, die reich an endokrinen Disruptoren (ED) und „östrogenähnlichen“ oder „Xenoöstrogenen“ Molekülen ist (Pestizide, Bisphenol A, Phthalate, PCB, DDT, Flammschutzmittel oder Parabene in Kosmetika), trägt bereits zu einer Überstimulation dieser Gewebe bei. Zudem produzieren Fettgewebe auf natürliche Weise Östrogene. Übergewichtige Menschen sind daher anfälliger für die Entwicklung dieser Erkrankungen.
In diesem Zusammenhang sind phytoöstrogenhaltige Pflanzen (Soja, Rotklee, Hopfen) zu vermeiden. Obwohl einige Studien eine mögliche schützende Wirkung untersuchen, warnen andere vor einem erhöhten Rezidivrisiko bei Frauen mit Brustkrebs in der Vorgeschichte, die Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel auf Sojabasis (reich an Isoflavonen) zu sich nehmen. Was die Wechseljahrsbeschwerden betrifft, gibt es zudem keine konkreten Belege für ihre Wirksamkeit. Daher empfiehlt die ANSES Vorsicht bei Kindern unter 3 Jahren.
Schilddrüsenfunktionsstörungen und die Jodfalle
Die Schilddrüse ist eine kleine Drüse im Hals, die die Hormone T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin) produziert, die für die Regulierung des Grundumsatzes, den Sauerstoffverbrauch der Zellen und die Proteinsynthese unerlässlich sind. Der Körper reguliert diese Werte über den Hypothalamus und die Hypophyse. Letztere schüttet das TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) aus. Um zu funktionieren, benötigt diese Drüse unbedingt Jod. Sie nimmt dieses Jod aus dem Wasser und der Nahrung auf.
Bei Schilddrüsenerkrankungen ist die Hormonregulation bereits gestört, sei es durch eine Hashimoto-Thyreoiditis (eine Autoimmunerkrankung, die zu einer Schilddrüsenunterfunktion mit Müdigkeit, Gewichtszunahme und Kälteempfindlichkeit führt) oder durch die Basedow-Krankheit (eine durch Antikörper stimulierte Schilddrüsenüberfunktion, die zu Herzrasen, Gewichtsverlust und Schlaflosigkeit). Der Verzehr von jodreichen Heilpflanzen oder Algen (wie Fucus) ist ein großer Fehler. Denn diese unkontrollierte Zufuhr kann die Drüse überlasten oder überreizen. Dies kann die Schilddrüse noch stärker aus dem Gleichgewicht bringen und die medizinische Hormonersatztherapie beeinträchtigen.
Welche Pflanzen beeinträchtigen den Hormonhaushalt während der Schwangerschaft und Stillzeit?
Die Zeit der Schwangerschaft und der frühen Kindheit erfordert eine drastische Einschränkung der Phytotherapie. Der Embryo und später das Säugling sind besonders anfällig für Wirkstoffe, die biologische Barrieren überwinden.
Schwangerschaft und Wochen seit Ausbleiben der Menstruation: das Risiko einer Fehlgeburt
Die Schwangerschaft bezeichnet die Dauer der Schwangerschaft zwischen der Befruchtung und der Entbindung (etwa 9 Monate oder 273 Tage). Geburtshelfer rechnen in Wochen seit Ausbleiben der Menstruation (S.A.) und legen die durchschnittliche Dauer auf 41 S.A. fest. Während dieser Zeit hängt die Stabilität des Uterusmuskels von einer strengen hormonellen Regulierung ab.
Im Falle einer Schwangerschaft müssen Pflanzen mit emmenagogischer oder abführender Wirkung unbedingt vermieden werden, wie zum Beispiel:
- Beifuß und Salbei (die Ketone wie Thujon enthalten)
- Ringelblume und Petersilie (in therapeutischer Dosierung)
- Süßholz, Sennesblätter, Rhabarber und Faulbaumrinde.
Diese Heilpflanzen bewirken eine massive Durchblutung der Beckenorgane und stimulieren die Muskelfasern, was zu abnormalen Gebärmutterkontraktionen und damit zu einem erhöhten Risiko für Fehlgeburten oder Frühgeburten führen kann.
Stillen: Der Übergang der Wirkstoffe in die Muttermilch
Die Laktation hängt von der Entwicklung der Milchgänge und der Milchdrüsen ab, ein Prozess, der während der Schwangerschaft stark von Östrogen und Progesteron beeinflusst wird. Nach der Entbindung fördert Prolaktin die Milchproduktion. Oxytocin wiederum löst den Milchfluss aus. Die Muttermilch verändert sich, beginnend mit dem Kolostrum (reich an lebenswichtigen Nährstoffen), hin zur Übergangsmilch. Schließlich erreicht sie ihre Reife, um sich den Bedürfnissen des Babys anzupassen.
Während der Stillzeit sollten Sie die Einnahme von Heilpflanzen mit abführender, bitterer oder anregender Wirkung vermeiden. Die Wirkstoffe der Pflanzen passieren die Brustbarriere und gelangen direkt in die Muttermilch. Dies kann Ihrem Kind daher ernsthaft schaden und zu starkem Durchfall, Koliken oder einer Lebertoxizität in seinem noch unreifen Organismus führen.
Haben Sie Zweifel hinsichtlich Ihrer Filterorgane? Leber und Nieren sind die ersten, die die Pflanzenmoleküle aufnehmen. Überlasten Sie Ihren Organismus nicht. Erfahren Sie, wie Sie Ihr Verdauungs- und Nierensystem in der Phytotherapie schützen können.
Die Hormonregulation beruht auf äußerst feinen physiologischen Gleichgewichten. Ob es darum geht, Diabetes zu behandeln, die Schilddrüse zu schützen, mit hormonabhängigem Krebs umzugehen oder eine Schwangerschaft erfolgreich zu gestalten – die Verwendung von Heilpflanzen ist niemals neutral. Ihre starken Wirkstoffe können Ihre Hormone oder Ihre medizinischen Behandlungen gefährlich beeinträchtigen. Um Phytotherapie und Sicherheit in Einklang zu bringen, muss die blinde Selbstmedikation einer individuellen medizinischen Betreuung weichen. Zudem ist die fundierte Beratung durch eine medizinische Fachkraft erforderlich.
Quellen:
- ANSES: Gutachten zur Sicherheit von Soja-Isoflavonen und Empfehlungen zur Anwendung bei Schwangeren und Kleinkindern.
- VIDAL: Phytotherapie während der Schwangerschaft und Stillzeit.
FAQ: Wie kann man Pflanzen anwenden, ohne den Hormonhaushalt zu stören?
Warum werden Gymnema oder Berberin bei behandeltem Diabetes nicht empfohlen?
Gymnema und Berberin besitzen starke blutzuckersenkende Eigenschaften. Werden sie mit oralen Antidiabetika oder Insulin kombiniert, verstärken sich ihre Wirkungen unkontrolliert. Dies stört den Hormonhaushalt des Blutzuckers und birgt ein hohes Risiko für schwerwiegende hypoglykämische Beschwerden.
Welche Gefahr birgt Soja bei einer Vorgeschichte von Brustkrebs?
Soja enthält Isoflavone, also Phytoöstrogene, die die Struktur menschlicher Östrogene nachahmen. Da 60 bis 70 % der Brustkrebserkrankungen durch diese Sexualhormone begünstigt werden, kann der Verzehr von Phytoöstrogenen die Hormonregulation beeinträchtigen. Dies kann somit das Risiko eines Tumorrezidivs erhöhen.
Warum sollten Algen wie Fucus bei Schilddrüsenerkrankungen vermieden werden?
Algen wie Fucus sind von Natur aus sehr jodreich. Die Schilddrüse nutzt Jod zur Herstellung ihrer Hormone (T3/T4). Die Zufuhr einer großen Menge Jod über die Phytotherapie stört die Hormonregulation der Drüse, was sowohl eine Schilddrüsenunterfunktion als auch eine Schilddrüsenüberfunktion verschlimmern kann.



